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Block 3: Ein Blick in die Artenvielfalt der Greifvögel und Eulen in Bild und Text
Familie 1: Habichtartige, lat. Accipitridae
Unterfamilie Altweltgeier, lat. Aegypiinae
Gattungen: Aegypius (inkl. Sarcogyps, inkl. Trigonoceps), Gyps (Gänsegeier, inkl. Pseudogyps (Truggeier)), Gypaetus, Neophron, Necrosyrtes, Gypohierax

01. Kapgeier oder Fahlgeier, lat. Gyps coprotheres
02. Himalajageier oder Schneegeier, lat. Gyps himalayensis
03. Gänsegeier oder Weisskopfgeier, lat. Gyps fulvus
04. Unterart: Zimtgeier (früher auch zusätzlich Indischer Gänsegeier?), lat. Gyps fulvus fulvescens
05. Sperbergeier, lat. Gyps rueppellii
06. Indischer Gänsegeier oder indischer Geier oder Langschnabelgeier oder Indiengeier, lat. Gyps indicus
07. Schmalschnabelgeier oder Schlankschnabelgeier oder Dünnschnabelgeier, lat. Gyps tenuirostris (früher: Gyps indicus tenuirostris)
08. Zwerggänsegeier oder Weissrückengeier, lat. Gyps africanus (früher: Pseudogyps africanus)
09. Bengalgeier oder Begalengeier, lat. Gyps bengalensis (früher: Pseudogyps bengalensis)

 

Um Wiederholungen bei den einzelnen Abschnitten meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen zu vermeiden, verweise ich auf das Literaturverzeichnis, das sich auf der Seite „Greifvögel / Eulen 1” befindet. Hiermit untersage ich (Jens Wolf, www.kaiseradler.de) jede weitere Verbreitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner Fotos in welcher und / oder durch welche Art und / oder Weise auch immer. Genauso untersage ich hiermit jede weitere Verarbeitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen oder Teilen (siehe Inhaltsverzeichnis) daraus.

01. Kapgeier oder Fahlgeier
lat. Gyps coprotheres

Der Kapgeier ist an den Küsten, in den Ebenen, in den Graslandschaften, in den Gebirgen, in Höhen bis 3000m in Südafrika in Namibia bis Südwestsimbabwe und bis Südmosambik (auch südlicher) mit einem Bestand von rund 8.000 Exemplaren im Jahre 2000 (das heisst inkl. 3000 Paare) verbreitet.

Die Unterseite ist weiss bis sehr hellweissgelbbraun gefiedert. Die Oberseite ist hellbraun bis graubraun gefiedert. Die Flügel haben braune Arm- und Handschwingen. Insgesamt kann das Gefieder auch hellgelb wirken. Bis zu den Flügelspitzen und bis zum Schwanz wird das Gefieder dunkelbraun bis graubraun. Der Hinterhals und der Hinterkopf sind weiss bis grau bis hellbraun gefiedert. Der Kopf ist an den Seiten blaugrau und die Kopfoberseite ist graubraun. Der Schnabel ist schwärzlich. Der federlose Vorderhals ist blaugrau bis blauschwarz. Die Fänge sind blaugrau bis schwarz. Die Länge beträgt 95 bis 110 cm und das Gewicht liegt zwischen 7 und 11 kg.

Zur Nahrung zählt Aas. Es werden jedoch auch lebende Tiere angegriffen.

Die Kapgeier brüten Kolonien. Das Nest befindet sich auf einem hohen Baum oder einem steilen Felsen. Das Weibchen legt im Januar ein Ei, welches von beiden Elternteilen in 52-53 Tagen ausgebrütet wird. Der Jungvogel hat eine braun bis rotbraune Unterseite und eine braun bis dunkelrotbraune Oberseite. Der jungen Kapgeier verlässt das Nest mit 80-90 Tagen. Mit ca. 105 Tagen kann der junge Kapgeier fliegen.

02. Himalajageier oder Schneegeier
lat. Gyps himalayensis

Der Schneegeier ist in den Hochgebirgen Mittelasiens, in Zentralasien, so unter anderem im Himalaja in Höhen von 1.300 bis 4.900 m (jedoch auch im Allgemeinen in Höhen von unter 1.200 m (im Winter) auf bis zu 6.000 m) verbreitet. Des Weiteren ist er in Butan, Nordindien, der Mongolei und Tibet einzeln, als Paar oder in kleinen Gruppen anzutreffen.

Der Schneegeier hat einen weiss gefiederten Kopf. Die Unterseite und die Oberseite sind gelblichweiss bis hellbraun gefiedert. Die Füsse sind weiss bis hellbraun gefiedert. Die Flügel haben einen grossen Anteil brauner bis dunkelbrauner Federn. Die Halskrause wird im Alter von gelblichweiss bis flauschig weiss. Die Flügelspannweite beträgt 260 bis 300 cm. Die Grösse beträgt 104 – 120 cm. Das Gewicht beträgt 8 – 12 kg.

Gefressen wird das Aas von Hirschen, Ziegen, Schafen und Rindern. Auf den "Türmen des Schweigens" in Tibet findet man neben den Begalgeiern auch die Schneegeier und die Schwarzmilane.

Die Schneegeier brüten mitunter in Gemeinschaften von 5 bis 6 Paaren in Felsen. Das Weibchen legt das eine weisse bis grünweisse Ei, welches rotbraun bis kastanienbraun gesprenkelt sein kann, von Dezember (Indien) bis Mai (Tibet). Anschliessend brüten beide Elternvögel das Ei in 50(?) 54 bis 56 Tagen aus. In ca. 80 weiteren Tagen (laut einer anderen Angabe sind es 6,5 bis 7 Monate) wird der Jungvogel flügge. Während der ersten Zeit besteht das Futter aus Vorverdauter aus dem Kropf kommender Nahrung.

Die nachfolgenden Fotos wurden im Tiergarten Nürnberg aufgenommen.

Die nachfolgenden Fotos wurden im Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss Tambach aufgenommen.

Die nachfolgenden Fotos wurden im Sächsischen Jagdfalkenhof Schloss Augustusburg aufgenommen.

Die nachfolgenden Fotos wurden im Wildpark Bad Mergentheim (links), im Vogelpark Walsrode (heute: Weltvogelpark) (mitte), in der Burgfalknerei Hohenbeilstein (rechts) aufgenommen.

03. Gänsegeier oder Weisskopfgeier
lat. Gyps fulvus

Der Gänsegeier, der häufigste Geier Europas, lebt in den Gebirgen in Höhen bis 3000m in Südeuropa, in Frankreich, Griechenland, Türkei, Marokko, Tunesien, Algerien, Afghanistan, Indien, Nord- und Westafrika bis zur arabischen Halbinsel und zur Mongolei. Im Jahre 2004 wurden in Europa 17.404-17.535 Gänsegeier-Brutpaare gezählt. Insgesamt leben ca. 75 % der Gänsegeier in Spanien. Im Jahre 2008 wurden 22.000 Gänsegeier-Brutpaare (Falke 12/2011) in Spanien gezählt. Gänsegeier fliegen in Gruppen von 3 bis zu 5 Vögeln. Die Gänsegeier sind Standvögel. Die Jungvögel ziehen jedoch in der Umgebung umher. Im Sommer ist der Gänsegeier auch in Österreich anzutreffen. Sie kreisen und segeln in der Regel in 3.300 m Höhe. Dort überwintern nämlich die im Balkan lebenden Gänsegeier in den Hohen Tauern oder Salzburger Alpen in den Monaten Mai bis September, wenn die Schafe auf die Berge getrieben werden. An den Schlafplätzen versammeln sich mitunter 30 bis 40 Gänsegeier. Gänsegeier wurde auch in Deutschland 2008 und 2010 gesichtet. Der indische Gänsegeier oder Zimtgeier, lat. Gyps fulvus fulvescens ist eine Unterart des Gänsegeiers (siehe dort).

Das Gefieder ist auf der Oberseite hellbraun bis sandbraun. Der Kopf und der Hals sind weissgraubraun bis weiss gefiedert. Die Unterseite ist rötlich bis beige bis hellbraun grundgefiedert und längsgestreift. Die Flügeloberseite hat hellbraune und dunkelbraune Streifen. Der Schnabel ist grauschwarz. Die Iris ist gelb über braun bis schwarz(?). Die Augen sind so gut, dass beispielsweise aus ca. 3.700 m ein ca. 30 cm langes Nahrungsstück erkannt wird. Der Hals ist lang und dünn. Die Halskrause wird im Alter erst hellbraun bis sandbraun bis weiss. Die Flügelspannweite beträgt 230 - 280 cm. Die Grösse ist 95 - 110 cm. Das Gewicht beträgt 6 - 11 kg.

Zur Nahrung zählt Aas, das entweder allein oder in Gruppen in der Luft segelnd gesucht wird. Sobald die Gänsegeier Aas gefunden haben, wird soviel gefressen, dass zum Teil das Fliegen nicht mehr möglich ist. Ein Fortfliegen ist nur bei einem Herauswürgen von Gefressenem zum Beispiel bei Gefahr wieder möglich. Des Weiteren ist auch beobachtet worden, dass junge oder schwache Tiere erbeutet wurden.

Die Gänsegeier führen ihre Balz im Dezember durch und dabei schrauben sich beide nebeneinander in die Höhe, um dann oben übereinander mit simultanen Flugbewegungen zu fliegen. Die Begattung erfolgt in der Nestnähe.

Das Nest wird in der Regel in Kolonien von 15 - 60 Paaren angelegt. Es können aber auch kleinere oder viel grössere Kolonien sein. Das Weibchen legt von November bis März (je Region verschieden und mitunter auch Januar bis April) das eine weisse mit rotbraunen Flecken versehene Ei auf einen Felsen und brütet es in 47 - 58 Tagen aus. Die Brutpflege betreiben beide Elternvögel. In den ersten Tagen wird der Jungvogel mit Vorverdauter Nahrung gefüttert, die hochgewürgt wird. Der Jungvogel wird in 110 - 130 Tagen grossgezogen. Mit 80 bis 90 Tagen verlässt der junge Gänsegeier das Nest und dieser macht mit 16 Wochen die ersten Flugversuche. In den folgenden Tagen wird der Jungvogel ausgebildet. Der Jungvogel besitzt noch eine braune Halskrause.

Diese Fotos wurden im Zoo Leipzig gemacht.

Diese Fotos wurden im im Zoo Stuttgart gemacht.

Die Fotos wurden in der Greifenwarte am Rennsteig aufgenommen.

Die Fotos wurden in der Greifvogelwarte Burg Landskron aufgenommen.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden (links) in der Falknerei Adlerhorst, (mitte) im Adler- und Wolfspark Kasselburg und (rechts) im Tierpark Berlin Friedrichsfelde gemacht. Die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss Tambach gemacht.

Diese Fotos wurden im Zoo Berlin Tiergarten gemacht.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden in der Falknerei Schillingsfürst (links), in der Deutschen Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg (heute: Deutsche Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg): (mitte) und im Raritätenzoo Ebbs (rechts) aufgenommen. Das Foto unterhalb dieser Zeilen wurde in der Adlerwarte Pfänder (links) gemacht.

04. Unterart: Zimtgeier (früher auch zusätzlich Indischer Gänsegeier?)
lat. Gyps fulvus fulvescens

Der Zimtgeier ist eine Unterart des Gänsegeiers (siehe dort) und ist in Afghanistan bis Indien und Nepal verbreitet.

Die Fotos wurden in der Burgfalknerei Hohenbeilstein aufgenommen.

05. Sperbergeier
lat. Gyps rueppellii

Der Sperbergeier lebt im trockenen Afrika, in Nordost-, Ost- und Zentralafrika im offenen Gelände, in den Savannen, den Bergregionen, Gebirgen, in Höhen bis 4500m in 2 Unterarten. Die grössere und hellere Unterart, der Somalisperbergeier, lat. Gyps rueppelli erlangeri, ist in Somalia und Äthiopien verbreitet. Die andere Unterart Gyps rueppelli rueppelli lebt oberhalb des Äquators (Senegal bis Sudan bis Uganda, Kenia, Tansania). Sperbergeier sind in grösseren Trupps im Umkreis von bis zu 150 km auf der Suche nach Kadavern oder Aas unterwegs. Auch fliegen Sperbergeier mitunter sehr hoch, denn einer stiess mit einem Jet in einer Höhe von 11212 m zusammen. Ein anderer Sperbergeier stiess in 11.277 m Höhe mit einem Verkehrsflugzeug zusammen und beschädigte eines der Triebwerke so stark, dass es ausgeschalten werden musste.

Der Kopf ist federlos und die Haut blaugrau bis blauschwarz. Der blaugraue bis blauschwarze Hals hat mehr oder weniger kleine weisse Federn. Die Augen sind gelb bis silbergrau. Der Schnabel ist gelb bis bleifarben. Die Halskrause ist weiss. Das Gefieder ist grau bis mittelbraun bis braunschwarz grundgefiedert und enthält viele weisse Flecken (Genaugenommen haben die Federn auf der Ober- und Unterseite eine breite weisse Federnspitze). Der Schwanz und die Armschwingen sind schwärzlich. Die Spannweite beträgt 240 cm. Nur die Innenseiten der Unterschenkel sind weiss gefiedert. Die Flügelunterseite ist durch 2 weisse Bänder heller Flecken gekennzeichnet. Der Sperbergeier ist 89 – 101 cm gross. Das Gewicht beträgt 6,8 bis 9 kg.

Die Sperbergeier brüten in Kolonien von bis zu 100 Paaren in Felshöhlen auf Bäumen, Klippen oder Felsvorsprüngen. Als Brutzeit werden die Monate April, Mai-Juni und September angegeben. Für die Unterart Somalisperbergeier, lat. Gyps rueppelli erlangeri gelten in Somalia und Äthiopien die Monate November und im Hochland in Äthiopien die Monate Mai bis Juni. Das Weibchen legt grösstenteils während der Trockenzeit 1-2 grünweisse und mit braunen Flecken versehene Eier. Die Eier werden von beiden Elternteilen abwechselnd in 52 bis 56 Tagen ausgebrütet. Flügge wird der Jungvogel in ca. 3 Monaten.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Vogelpark Abensberg und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden in der Greifenwarte Edersee gemacht. 

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Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden in der Falknerei Adlerhorst und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden in der Burgfalknerei Hohenbeilstein gemacht. 

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden in der Adlerwarte Berlebek (links) und im Vogelpark Irgenöd (mitte und rechts) aufgenommen.

Die oberen Fotos wurden in der Falknerei / Wildpark Potzberg (links), im Wildpark Bad Mergentheim (mitte) und im Wildparadies Tripsdrill (rechts) aufgenommen. Das Foto unterhalb dieser Zeilen wurde im Zoo Schmiding / Wels gemacht.

06. Indischer Gänsegeier oder indischer Geier oder Langschnabelgeiergeier oder Indiengeier
lat. Gyps indicus

Der Indiengeier ist in den Halbwüsten, offenen Gebieten, trockenen Vorgebirgen, in Höhen bis 1500m in Pakistan und in Zentral- und Südindien verbreitet.

Das Gefieder ist auf der Unterseite cremefarben bis hellbraun. Die Unterschenkel sind heller als die Unterseite. Die Oberseite ist braun gefiedert. Die Flügelspitzen sind dunkelbraun. Der Hals ist weiss bis grau. Die Krause ist weiss bis grau bis hellbraun. Der Indiengeier ist ca. 81 bis 103 cm gross und wiegt zwischen ca. 5,5 bis 6,3 kg.

Die Nahrung besteht aus Aas.

Das Nest befindet sich auf einem Felsen oder auf einem Baum. Als Brutzeit werden die Monate Oktober bis März angegeben.

07. Schmalschnabelgeier oder Schlankschnabelgeier oder Dünnschnabelgeier
lat. Gyps tenuirostris (früher: Gyps indicus tenuirostris)

Der Schmalschnabelgeier lebt in den feuchten und bewaldeten Gebieten in Höhen bis zu 1000m im Himalaja-Vorgebirge und der Gangesebene bis Assam verbreitet.

Die Unterseite ist weissbraun bis cremefarben gefiedert. Die Oberseite ist braun bis dunkelbraun bis dunkelbraunschwarz gefiedert. Der grauschwarze Hals ist nackt. Der Schnabel ist sehr lang. Die Krause wird im Alter weiss. 

Der Schmalschnabelgeier brütet auf Bäumen.

08. Zwerggänsegeier oder Weissrückengeier
lat. Gyps africanus (früher: Pseudogyps africanus)

Die Zwerggänsegeier, Standvögel, sind in offenen Gebieten, Wüsten, flussnahen Bäumen, Buschsteppen, Savannen, in Höhen bis 4000m in Afrika, südlich der Sahara in Senegal bis Eritrea bis Botswana und in Nordostafrika verbreitet.

Das Gefieder des Zwerggänsegeiers braun bis dunkelbraun. Die Oberseite und die Flügel sind braun bis dunkelbraun gefiedert. Die Iris ist dunkelbraun. Die Halskrause ist weiss. Der Hals selbst ist auf der Hinterseite, an den Seiten weiss und am Vorderhals hellgraubraun gefiedert. Der Hals kann aber auch einfarbig hell bis weiss befiedert sein. Die Färbung des Halses und des Kopfes kann bis schwärzlich variieren. Die Unterseite ist hellbraun bis gelbbraun bis graubraun gefiedert. Das Gefieder auf dem Rücken kann sogar je Variante bis zu weiss variieren (und ein weisses Feld enthalten). Der eigentlich braune Schwanz kann bis zu schwarz gefiedert sein. Das Weibchen ist grösser und blasser gefiedert. Die Grösse beträgt 76 bis 97 cm und das Gewicht ist von 4,1 bis 7,2 kg angegeben.

Die Zwerggänsegeier segeln oft und suchen oder warten in Gruppen auf das Aas. Auch ist beobachtet worden, dass die Zwerggänsegeier die Wänderzüge grosser Säugetiere begleiten. Im Gleitflug verbraucht der Zwerggänsegeier nur ein Dreissigstel im Vergleich als wenn er im Ruderflug fliegen würde. Die Zwerggänsegeier, die sich gerade vollgefressen haben, benötigen zum Teil einen Aufwind, um in die Luft zu gelangen bzw. sich in dieser halten zu können.

Die Zwerggänsegeier brüten zum Teil in Kolonien. Das Nest befindet sich auf hohen Bäumen in der Nähe von Flüssen oder auf Felsen. Einerseits wird die gesamte Trockenzeit als Brutzeit angegeben. Andererseits werden als Brutzeit in Äthiopien die Monate September bis März, in Somalia die Monate Oktober bis Dezember und in Kenia, Sambia und Malawi die Monate April bis August angegeben. Das Weibchen legt ein weisses mit roten bis rotbraunen Flecken versehenes Ei. Anschliessend wird das Ei von beiden Elternteilen ausgebrütet. In anderen Beobachtungen heisst es, dass das Männchen das allein brütende Weibchen während der Brut füttert. Später beschafft das Weibchen die Beute für den Jungvogel auch mit. Der Jungvogel wird 7 bis 8 Monate geführt und aufgezogen.

greifgeier444ZwerggänsegeierSchillingsfürst

Die Fotos auf der linken Seite wurden in der Adlerwarte Berlebeck (erste sechs) und im Adler- und Wolfspark Kasselburg (folgende zwei) gemacht. Die Fotos in der mittleren Spalte wurden in der Falknerei Schloss Schillingsfürst (erste acht) und im Vogelpark Abensberg (folgendes Bild) aufgenommen. Die rechten Fotos wurden im Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss Tambach (erste vier), im Falkenhof Lenggries (folgende zwei) und im Greifvogelpark / Falknerei Katharinenberg (folgende zwei) gemacht

09. Bengalgeier oder Begalengeier
lat. Gyps bengalensis (früher: Pseudogyps bengalensis)

Der Bengalgeier ist in kleinen Gruppen -mitunter auch mit anderen Geierarten zusammen- in den offenen Gras- und Buschlandschaften, den bewaldeten Gebieten, in Halbwüsten, in Steppen in Südostiran bis Indochina verbreitet.

Der Kopf und der Hals sind nackt graublau bis dunkelgrau bis dunkelbraun. Der Hinterkopf und die Hinterseite des Halses können dunkler sein als der andere Teil des (rötlichgrauen) Halses. Die Iris ist braun bis gelbbraun bis schwarz. Das glänzende Gefieder ist graubraun bis schwarzblau bis schwarz. Auf dem Bauch befinden sich kurze weisse feine Längsstriche. Die Krause ist weiss. Am Unterrücken befindet sich ein weisser Fleck. Die Grösse beträgt 76 bis 93 cm. Das Gewicht liegt zwischen 4 und 6 kg.

Zur Nahrung zählt Aas. An den verendeten Tieren sind dann mitunter bis zu 50 Bengalgeier zu finden, die sich das Aas teilen. Auf den "Türmen des Schweigens" in Tibet findet man neben den Begalgeiern auch die Schneegeier und die Schwarzmilane. In Indien wurden Bengalgeier bei hellem Mondlicht beobachtet, die Nachts ihr Aas frassen.

Die Balz der Bengalgeier, die mit grunzenden und schnarrenden Tönen begleichtet wird, findet in den Monaten September und Oktober statt. Als Brutzeitraum werden die Monate Oktober bis März angegeben. Die Bengalgeier brüten in Kolonien von 20 bis 40 Paaren auf 13 bis 30 m hohen Bäumen an Flüssen. Das Weibchen legt ein weiss bis grünliches Ei, welches eventuell braun gefleckt ist, in ihr Nest. Dieses Ei kann rot bis rotbraun bis braun bis lavendelgrau gefleckt sein. Ausgebrütet wird es von beiden Elternvögeln in 40 bis 52 Tagen. Flügge ist der Jungvogel in 80 bis 90 Tagen. Der Jungvogel hat eine braune Krause und ein braunes Gefieder. Die Flügel enthalten auf der Oberseite einen grossen Anteil grauer bis weisser Federn. Auf der Unterflügelseite zeigt sich ein weisses Band. 

Die Fotos wurden im Vogelpark Timmendorfer Strand aufgenommen.                                  Nach Oben

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