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16. Schmutzgeier lat. Neophron percnopterus
Der Schmutzgeier, der kleinste europäische Geier, lebt im offenen Gelände (mit verstreutem Bewuchs), Grasland, an Klippen, in den trockenen Regionen, tropischen Savannen, bergigen
Landschaften, in Höhen bis zu 4000 m, Wüsten, Wüstenrandzonen in der Unterart Neophron percnopterus percnopterus (in Südeuropa, Afrika, Südwestasien bis Balkhash und auf den atlantischen Inseln verbreitet), in Südindien und im Himalaja in der Unterart Gelbschnabel-Schmutzgeier, lat. Neophron
percnopterus ginginianus und auf den Kanarischen Inseln in der Unterart Neophron percnopterus majorensis. Es leben noch ca. 5.000 - 12.000 Paare weltweit, wobei es in Europa 1534-1649 Paare (im Jahre 2004 gezählt)
sind. Die Tendenz ist rückläufig. Selbst in den französischen Alpen waren die Schmutzgeier bis zum Jahr 1890 verbreitet. Der geschätzte Bestand, der auf dem Balkan lebenden Schmutzgeier, sank von ursprünglich mehreren
tausend Brutpaaren (Falke09/2011) im Laufe der Zeit nun auf unter 100 Brutpaare. Die üblichen Ursachen sind Vergiftungen und Abschuss. In einer Blutanalyse bei 32 Jungvögeln stellte man einen schlechten Gesundheitszustand
(Schwermetallvergiftungen, Antibiotikavergiftungen und hohe Krankeitsanfälligkeit) fest.
Viele Schmutzgeier fliegen von September bis Oktober ins Winterquartier und kommen im März bis April zurück. Das Winterquartier ist in Afrika (südlich der Sahara; auch in den Wüsten und
Halbwüsten), auf der arabischen Halbinsel, in Indien und im Mittelmeerraum oder Spanien. Im äthiopischen Afra-Dreieck überwintern jährlich jeweils ca. 1400 Schmutzgeier. In diesem Zusammenhang wurde auch beobachtet, dass
einige Jungvögel erst im Erwachsenenalter von 5 Jahren zurückkehren. Die Strecke ins Überwinterungsgebiet fliegen die Schmutzgeier in kleinen Gruppen. Die in Südiran, Indien, Pakistan, Zentralafrika und der arabischen
Halbinsel lebenden Schmutzgeier sind Standvögel. Die Nacht wird zum Teil (so Beobachtungen) in kleinen Gruppen von 20 bis 50 Vögeln verbracht. Die nicht besonders geselligen Schmutzgeier, die in der Regel allein oder mit
Partner anzutreffen sind, sind nur bei ausreichender Beute in kleinen Gruppen von 10 bis 20 Vögeln anzutreffen. Bezüglich der Schmutzgeier wurde beobachtet, dass diese sich in Schlafgemeinschaften von 20 bis 50 (bis zu 200
bei Port Sudan) Einzelvögeln zusammengesellen.
Das gesamte Gefieder ist (schmutzig)weiss. Die Schwungfedern sind schwarz gestreift. Die Flügelenden sind schwarz. Die Flügelspannweite beträgt 150 - 170 cm. Der Schwanz ist keilförmig. Das
“Gesicht” ist gelb. Der Schnabel ist gelb. Mit seinen Augen erkennt der Schmutzgeier 4 - 8 cm kleine Gegenstände aus einem km Entfernung. Die Fänge sind kräftig. Das Weibchen ist grösser als das Männchen. Das
Gewicht beträgt ca. 1,8 - 2,4 kg. Die Grösse beträgt 53 - 66 cm. Die Unterart Neophron percnopterus percnopterus hat eine braune bis schwarze Schnabelspitze und fleischfarbene oder blassgelb bis blasslilane Fänge, während die Unterart Neophron percnopterus ginginianus eine helle bis gelbe Schnabelspitze hat, gelbe Fänge hat und kleiner ist.
Zur Nahrung zählen Eier bis zur Grösse von Strausseneiern. Die Eier “öffnet” der Schmutzgeier unter Verwendung von Steinen. Entweder wird das Ei in den Schnabel genommen und mehrfach auf
einen Stein fallen gelassen bis es zerbricht oder bei grossen Eiern (Stausseneiern) wird ein 200 g bis 300 g (laut einer Beobachtung: ca. 900 g) schwerer Stein in den Schnabel genommen und aus grosser Höhe auf das
(Straussen)ei fallen gelassen.
Zur Nahrung, es werden zum Teil viele km geflogen, zählen des weiteren auch kleine Vögel (junge Flamingos), Säugetiere (wie Mäuse, Kaninchen, Ratten), Schlangen, Fische, Frösche, Insekten,
Insektenlarven, Echsen (Eidechsen), Käfer, Termiten, Früchte (wie beispielsweise Datteln), Gemüse, Schnecken, Abfälle, Aas und Kot. Aufgrund seines spitzen Schnabels kommt er sogar an die Aasreste, an die die grossen
Ohren-, Sperber- und Weissrückengeier nicht herangelangten. Auch auf Müllplätzen ist der Schutzgeier anzutreffen.
Das zum Teil mehrfach benutzte Nest wird von beiden Elternvögeln gebaut und mit Nistmaterial
ausgepolstert. Es wurde auch beobachtet, dass die Schmutzgeier zur Aufzucht verlassene Nester (von Greifvögeln) verwenden oder in Gebäuden brüteten. Das Nest befindet sich in auf felsigem Gelände, in den Höhlen oder in den
Nischen der Felsen. Das Nest kann sich auch an (unzugänglichen) Feldwenden befinden. Die Schmutzgeier brüten in der Regel in grossen Gruppen oder Kolonien oder aber auch einzeln. Das Weibchen legt die Eier im November in
Nigeria, im Dezember in Südafrika, von Dezember bis März auf den Kapverden, von (z.T. Februar) März bis April in Europa bis Nordafrika, von Januar bis April in Indien, von Januar bis Mai in Somalia, Oberägypten und Sudan,
von Mai bis Juli in Kenia und vor und während der Trockenzeit im tropischen Afrika im Abstand von 2 bis 4 Tagen. Die 1 - 3 gelblichweissen Eier sind rostbraun, rotbraun, rötlich, mehr oder weniger rotbraun, violett gefleckt.
Ausgebrütet sind die Eier von beiden Elternteilen in 42 bis 45 Tagen. Die Jungvögel werden von beiden Elternteilen zuerst in den ersten Tagen mit Vorverdauter Nahrung gefüttert. Das weisse Duhnenkleid wechselt im Alter von 3
Monaten in ein braunes Gefieder. Flügge sind in die jungen Schmutzgeier in 70 - 95 Tagen. Meist jedoch überlebt nur ein Jungvogel. Geschlechtsreif werden die Schmutzgeier im 4 bis 5. Lebensjahr. Die braunen Jungvögel
erhalten im 5. Jahr ihr weisses Gefieder. Ein Höchstalter von 20 Jahren konnte festgestellt werden. Weibchen und Männchen leben in einer Dauerehe.
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17. Kappengeier lat. Necrosyrtes monachus
Der Kappengeier lebt als Standvogel in den Wüsten, Savannen, in den Waldrändern, in den Regenwäldern, in Höhen bis zu 4000m und in Siedlungen (Küstenstädte und Walddörfer) in Afrika
südlich der Sahara (bis Mali und bis Eritrea).
Das Gefieder ist braun bis schwarzbraun. Die Unterart Necrosyrtes monachus monachus hat einen gräulichbraunen Hinterkopf und Nacken. Der Kopf und der Hals sind nackt und bläulichrot bis rötlich.
Die Iris ist braun. Die Flügel sind an den Handschwingen schwarzbraun gefiedert. Unterseite ist lichtdunkelbraun. Die Beine sind lichtbleigrau. Die andere Unterart Necrosyrtes monachus pileatus ist dunkler gefiedert und hat einen bläulicheren nackten Kopf und Hals. Das Buch von Ferguson-Lees, Christi “Die Greifvögel der Welt” gibt nur Necrosyrtes monachus (statt den beiden Unterarten) an. Die Fläche um die Augen ist federlos und rosafarben. Die Flügelspannweite beträgt 170 - 182 cm. Das Gewicht beträgt 1,5 bis 2,6 kg. Die Grösse beträgt 61 bis 70 cm.
Zur Nahrung zählen die Aas-Reste, die die grossen Geier übrig gelassen haben. Der Kappengeier frisst kleine tote Tiere, die er an allen Stellen einsammelt und ist auch an den Müllplätzen und
Schlachthöfen anzutreffen. Der Kappengeier erbeutet Heuschrecken, Eidechsen, Ratten, Frösche, Würmer, Schnecken, Termiten und Insekten.
Die Kappengeier sind Koloniebrüter. Das mit Haaren und Blättern ausgepolsterte Nest befindet sich in 1 bis 40 m hohen Affenbrotbäumen, Hegligbäumen, Borassuspalmen, Flötenakazien oder anderen Bäumen
oder an den Klippen. Das Weibchen legt von April bis Juni im südlichen Afrika, von April bis Oktober (aber auch schon im Januar) in Kenia und Uganda, von August bis September in Malawi, von Dezember bis März in Westafrika und
von November bis April in Somalia, Sudan und Eritrea ihr Ei. Das Ei wird vom Weibchen grösstenteils allein in ca. 46 Tagen oder 6,5 Wochen ausgebrütet. Das Männchen beschafft in dieser Zeit die Beute. Der Jungvogel klettert
nach 3,5 Monaten bereits in der Umgebung umher. Fliegen jedoch kann er erst später (einige Wochen vergehen noch). Kappengeier leben in einer Dauerehe.
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18. Geierseeadler oder Palmgeier oder Palmnussgeier oder Geierfischadler oder Angolageier lat. Gypohierax angolensis
Der Palmgeier, der kleinste Geier, lebt als ungeselliger Standvogel in den Wäldern, Agrarlandschaften, Mongrovensümpfen, feuchten Savannen, an den Seen und Flüssen in der Nähe der Öl- und
Raphia-Palmen im tropischen Afrika in Höhen bis zu 2000m südlich der Sahara bis zur Kap-Spitze und im Norden bis Gambia und Ostkenia.
Der Kopf, der Hals, die Unterseite, die Unterschenkel, der Oberrücken und die Schultern sind weiss gefiedert. Der grosse Teil der Flügel und der Oberschwanz sind schwarz gefiedert. Der Schwanz hat jedoch
auch dann wieder eine breite weisse Endbinde. Die Iris ist gelb bis hellorange und die Augen sind rosa umrandet. Die Grösse beträgt ca. 56 – 65 cm und das Gewicht beträgt 1,3 – 1,8 kg.
Zur Nahrung zählen hauptsächlich die Nüsse der Öl- und Raphia-Palmen, Datteln und andere Früchte. Bezüglich seiner Nahrung zieht der Palmgeier (auch) in der Umgebung umher. So werden auch Insekten,
Krabben, Muscheln, Schnecken, Fische, Frösche, Vögel, Säugetiere und Aas gefressen.
Die Palmgeier führen zur Balz hohe Flüge mit Sturzflügen und Loopings durch. Die Brutzeit ist je Region verschieden. Gelegt werden die Eier zum Beispiel von Dezember bis Februar in Westafrika, im Mai bis
Juli in Angola, im Juli in Uganda, von April bis Mai oder von Juli bis November auf Pemba, im Juli bis August in Nordsambia und Nordmalawi, im Oktober in Südafrika und im September im Osten des Tanganjikasee. Das Weibchen legt
die ein bis zwei weissen Eier, die viele dunkelbraune bis lila-Flecken besitzen, in einen hohen Baum (Palme) oder in eine Baumhöhle und brütet es dort in 43 bis 45 Tagen aus. Das gebaute Nest besteht aus Teilen der Öl- und
Raphia-Palmen und befindet sich in 10 bis 70 m Höhe. Das Nest, welches jedes Jahr benutzt wird, kann sich aber auch auf Woll- und Affenbrotbäumen befinden. Flügge sind die jungen Palmgeier in ca. 90 Tagen. Die jungen
Palmgeier werden von den Elternvögeln mit dem Fruchtfleisch der Palmnüsse gefüttert. Die Jungvögel bleiben im selben Gebiet. Das Gefieder der jungen Palmgeier ist bis zum 4-5 Jahr dunkelbraun. Die Iris der Jungvögel
ist noch braun.
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