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Block 3: Ein Blick in die Artenvielfalt der Greifvögel und Eulen in Bild und Text
Familie 1: Habichtartige, lat. Accipitridae
Unterfamilie Altweltgeier, lat. Aegypiinae
Gattungen: Aegypius (inkl. Sarcogyps, inkl. Trigonoceps), Gyps (Gänsegeier, inkl. Pseudogyps (Truggeier)), Gypaetus, Neophron, Necrosyrtes, Gypohierax

11. Ohrengeier, lat. Aegypius tracheliotus (früher: Torgos tracheliotus
12. Kuttengeier oder Mönchsgeier, lat. Aegypius monachus
13. Wollkopfgeier, lat. Aegypius occipitalis (früher: Trigonoceps occipitalis)
14. Lappengeier oder Kahlkopfgeier, lat. Aegypius calvus (früher: Sarcogyps calvus)
15. Bartgeier oder Lämmergeier, lat. Gypaetus barbatus
16. Schmutzgeier, lat. Neophron percnopterus
17. Kappengeier, lat. Necrosyrtes monachus
18. Geierseeadler oder Palmgeier oder Palmnussgeier oder Geierfischadler oder Angolageier, lat. Gypohierax angolensis

 

Um Wiederholungen bei den einzelnen Abschnitten meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen zu vermeiden, verweise ich auf das Literaturverzeichnis, das sich auf der Seite „Greifvögel / Eulen 1” befindet. Hiermit untersage ich (Jens Wolf, www.kaiseradler.de) jede weitere Verbreitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner Fotos in welcher und / oder durch welche Art und / oder Weise auch immer. Genauso untersage ich hiermit jede weitere Verarbeitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen oder Teilen (siehe Inhaltsverzeichnis) daraus.

11. Ohrengeier
lat. Aegypius tracheliotus (früher: Torgos tracheliotus)

Der Ohrengeier, der grösste afrikanische Geier, lebt in den trockenen und tropischen Gebieten, bewaldetem Grasland, in den Wüsten und den Halbwüsten Afrikas, in Höhen bis zu 5000m in der Unterart Aegypius tracheliotus negevensis im Süden von Israel, Marokko, im mittleren Osten und in Südarabien. Die Unterart Aegypius tracheliotus tracheliotus kommt in Afrika südlich der Sahara bis Äthiopien und bis Südafrika (Kap-Spitze) vor. Der Bestand ist stark rückläufig. Der Ohrengeier ist eigentlich ein Einzelgänger, ist aber andererseits auch in Gruppen von bis zu 100 Vögeln beobachtet worden.

Der Kopf und der Nacken sind nackt und rot gefärbt. Die weisse Halskrause ist angedeutet. Das Gefieder ist dunkelbraun bis graubraun. Der Schnabel ist kräftig und gross, so dass grosse Fleischstücke aus der Beute herausrissen werden können. Die Beine sind weiss gefiedert. Die Grösse beträgt zwischen 100 - 115 cm. Die Flügelspannweite beträgt 280 cm. Das Gewicht beträgt 5,5 bis 9,5 kg.

Der Ohrengeier erkennt auf 1,5 km Entfernung ein sterbendes Tier. Der Ohrengeier frisst vom Aas das Fleisch, das Fell, die Haut, kleine Knochen und die Gedärme. Selbst erbeutet werden beispielsweise Flamingos. Der Ohrengeier jagt einzeln oder in Familienverbänden. Mitunter wird auch anderen Geiern bzw. Kaffernadlern die Beute abgejagt. Termiten und Heuschrecken frisst er ebenso.

Das mit Fell, Haaren und Gras ausgepolsterte 2 bis 3 m breite Nest ist ca. einen Meter hoch und befindet sich auf einem dornigen Baum oder auf breit gefächerten Büschen. Das eine mattweisse bis weissliche bis weisse Ei, welches mit braunen bis rotbraunen Flecken versehen ist, wird (je Region verschieden) im Oktober bis März gelegt. In Somalia und Uganda gilt der Zeitraum September bis November und in Tansania, Kenia und Südafrika der Zeitrahmen Juni bis August. Als Brutzeitraum wird auch Juni bis Oktober für Ostafrika, Oktober bis Februar für Nordwestafrika und Juni für Südafrika angegeben. Der Jungvogel ist in ca. 52 - 56 Tagen ausgebrütet. Der frisch geschlüpfte Jungvogel besitzt ein graues Duhnenkleid. Flügge ist der junge Ohrengeier in 95 - 125 Tagen oder einer anderen Angabe zur Folge in 4 bis 5 Wochen. Danach folgt eine 5 monatige Ausbildung. Selbst brüten die jungen Ohrengeier erst mit 4 - 5 Jahren.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Wildpark Bad Mergentheim und das Foto unterhalb dieser Zeilen wurde im Zoo Schmiding / Wels gemacht.

12. Kuttengeier oder Mönchsgeier
lat. Aegypius monachus

Der Kuttengeier ist in den offenen Landschaften, Graslandschaften, Halbwüsten, offenen Wäldern, Gebirgen, Hochsteppen, Gebirgsregionen, in Höhen bis 4500m in Südeuropa, Südwestasien, Südzentralasien, auf der Iberischen Halbinsel, in Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Westchina, Afghanistan und der Mongolei verbreitet. Die Kuttengeier waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch in den österreichischen Südalpen verbreitet. Im Jahre 2004 wurden in Europa 1452-1470 Brutpaare gezählt. Die in Indien, Korea, Sudan, China, Burma und Japan lebenden Kuttengeier sind Zugvögel. Die Kuttengeier treten einzeln oder als Gruppe auf. In Korea wurden in Winter Gruppen von 5 bis einigen Dutzend Exemplaren gesichtet.

Das Gefieder ist schieferbraun bis dunkelbraun bis schwarzbraun. Die Fänge sind hellgrau. Die Zehen sind hell. Die Krallen sind schwarz. Der Kopf ist hellgrau und nackt. Ein dunkler Ring befindet sich um die Augen. Die Iris ist schwarz. Schwanz ist keilförmig. Die Halskrause ist dunkel wie das Gefieder. Die Flügel sind lang und breit. Die Flügelspannweite beträgt 250 - 295 cm. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt. Das Gewicht beträgt 6,9 kg bis 12,5 kg. Der Kuttengeier ist 99 - 110 cm gross.

Zur Nahrung zählt Aas. Auch erbeutet er kleine Hasen, Murmeltiere, kleine Schafe und Schildkröten.

Zur Balz beknabbern sich beide Kuttengeier gegenseitig die Köpfe. Die Kuttengeier brüten allein oder in Kolonien. Das grosse Nest, das jedes Jahr erneut benutzt wird, wird von beiden in “Dauerehe” lebenden Elternvögeln ausgebessert, so dass es Abmasse von 3 m Höhe und 1,8 m Breite haben kann. Das Weibchen legt das weiss bis schmutzigweisse mit rotbraunen bis braunen Flecken versehene Ei (selten 2) im März bis April in das Nest. Das Ei wird in 50 - 56 Tagen ausgebrütet. Aufgezogen wird der junge Kuttengeier in 90 - 120 Tagen. Gefüttert wird der Jungvogel mit vorverdauter Nahrung aus dem Kropf. Danach erlernt der junge Kuttengeier in den kommenden 2 Monaten das Jagen von Schlangen, kleinen Säugetieren und Lurchen. Der Jungvogel hat ein sehr dunkelschwarzbraunes Gefieder mit einem dunklen Kopf. Geschlechtsreif wird der Jungvogel in 5 – 6 Jahren. Im Jahre 1980 wurde der Kuttengeier zuerst im Tiergarten Berlin gezüchtet.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Wuppertal und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden in der Greifenwarte Edersee gemacht. 

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Dresden und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Tierpark Berlin Friedrichsfelde gemacht. 

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden in der Falknerei Schillingsfürst (links), im Renaissancefalkenhof Rosenburg (am Kamp) (mitte) und im Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss Tambach (rechts) aufgenommen. Die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden in der Falknerei Adlerhorst (links), in der Deutschen Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg (heute: Deutsche Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg) (mitte) und im Falkenhof Schütz (Kranichfeld) gemacht.

13. Wollkopfgeier
lat. Aegypius occipitalis (früher: Trigonoceps occipitalis)

Die Wollkopfgeiererbeuten sind als Einzelgänger in den Trockengebieten, in Höhen bis zu 4000m, Wüsten, Halbwüsten, Savannen, bewaldeten Graslandschaften, offenen Gebieten und Steppen, waldlosen Gebieten südlich der Sahara in Afrika in Zentralafrika verbreitet.

Das Gefieder ist schwarzbraun. Der Kopf kurz weiss gefiedert. Der Hinterkopf ist grau. Die Haut um die Augen ist hellrosa. Die Iris ist braun bis braungelb. Der Schnabel ist bleifarben und an der Schnabelspitze rot bis rosa. Die Unterschenkel sind weiss gefiedert. Die Fänge sind rosa. Die Grösse des Wollkopfgeiers beträgt 76 – 85 cm und sein Gewicht beträgt ca. 2,4 bis 5,3 kg.

Die Wollkopfgeiererbeuten kleine Säugetiere bis zur Grösse von jungen Antilopen, Dikdiks, Servale, Heuschrecken, Termiten, Perlhühner, junger Sekretäre, Flamingos, Eidechsen. Zur Nahrung zählt aber auch Aas. Des Weiteren nehmen sie auch Schreiseeadler, Steppenadlern und Kaffernadlern die Beute weg.

Das Weibchen legt ihr weisses mit braungrauen Flecken versehenes Ei in das ca. 7 m hohe auf Affenbrotbäumen oder Akazienbäumen befindende Nest im November bis Dezember im Sudan, im Oktober bis März in Somalia, im Juni bis Juli in Kenia, im Mai bis August in Malawi, Sambia und Südafrika und im August in Usambara, dass dann von ihr in 42 bis 48 (50) Tagen ausgebrütet wird. Die dunkler gefiederten Jungvögel bleiben über 100 Tage im Nest.

Die oberen Fotos wurden im Zoo Berlin Tiergarten (links), in der Deutschen Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg, heute: Deutsche Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg und der Deutschen Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg, früher: Deutsche Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg (mitte) und im Greifvogelpark Buchs gemacht. Die unteren Fotos wurden in der Adlerwarte Niederwald (links), im Tierpark Berlin Friedrichsfelde (mitte) und in der Adlerwarte Berlebeck (rechts) aufgenommen.

Die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Schmiding / Wels aufgenommen.

14. Lappengeier oder Kahlkopfgeier
lat. Aegypius calvus (früher: Sarcogyps calvus)

Der Lappengeier ist im Dschungel, in dichten Wäldern, in offenen mit Sträuchern versehenen Wüstensteppen, in den Ebenen, in den Halbwüsten, in den kultivierten Steppen, in Höhen bis zu 1500m in Indien bis Myanmar, bis Südchina und Indochina verbreitet.

Der Kopf und der Hals sind rot und ungefiedert. Die Iris ist hellgelblich (beim Männchen) und braun bis dunkelbraun (beim Weibchen). Am Hals hat der Lappengeier links und rechts je einen roten Hautlappen. Das Gefieder ist dunkelbraun bis schwarz. Auf den Unterschenkeln und der Unterseite befinden sich weisse Flecke. Die Fänge sind rot. Die Grösse beträgt 71 bis 84 cm und das Gewicht beträgt zwischen 3,6 und 5,4 kg.

Die Nahrung besteht aus Aas. An den Stadträndern verhindert er durch das Auffressen des Aases die Ausbreitung von Krankheiten und Infektionen.

Das Nest befindet sich in 1 bis 35 m Höhe auf hohen Bäumen. Das Weibchen legt das weissgrüne Ei im Zeitraum Januar bis April in Indien und Burma (oder im Dezember), das dann von beiden Elternteilen in 45 bis 50 Tagen ausgebrütet wird. Der Jungvogel ist braun gefiedert und bekommt mit 5 bis 6 Jahren sein Alterskleid. Die Lappengeier leben paarweise. Sie werden einzeln oder in kleinen Gruppen angetroffen.

Die Fotos wurden im Zoo Berlin (Tiergarten) aufgenommen.

15. Bartgeier oder Lämmergeier
lat. Gypaetus barbatus

Der Bartgeier, der seltenste Greifvogel Europas, lebt in den Bergregionen oberhalb der Waldgrenze, in Fels- und Schluchtlandschaften, Gebirgen Nord-, Ost- und Südafrikas, Südeuropas und Ost- bis Zentralasiens, in den Pyrenäen, auf Korsika, Griechenland, Türkei, Ägypten, Äthiopien in Höhen von bis zu 8.000 m in 3 Unterarten. Der Zentralasiatische Bartgeier, lat. Gypaetus barbatus hemalachanus, die grösste „Unterart“, die aber nicht als „eigenständige Unterart“ mangels der Unterschiede zu Gypaetus barbatus aureus (Verbreitungsgebiet: Südeuropa, Südwest- und Zentralsien, Naher Osten) anerkannt wurde. Der Nacktfuss-Bartgeier, lat. Gypaetus barbatus meridionalis, die Füsse sind ca. 2 cm unbefiedert, ist die kleinste Unterart, die in Ost- und Südafrika, Ägypten und Arabien vorkommt. Die Reviere des Standvogels sind 300 km² gross. Gleiten können die Bartgeier bis zu 150 km. Nachdem die Bartgeier in den Alpen erfolgreich im Jahre 1855 durch das erschiessen des „letzten“ Bartgeiers in Berchtesgaden ausgerottet wurden, leben heute wieder ca. 160 Paare sowie einige weitere ausgewilderte Exemplare. Zuletzt (Druckstand(!): 2007) wurde eine Spanne von 225 bis 250 Paaren festgestellt. Seit 1978 setzt sich die ZGF für die Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen und im Mittelmeeraum ein. Von den in den Alpen freigelassenen 150 Bartgeiern wurden einige in der Schweiz und in Österreich illegal abgeschossen, im Jahre 2008 wurden jedoch 123 "sicher" gezählt.

Der Rücken und die Flügel sind blaugrauschwarz bis braunschwarz gefiedert. Der Kopf, die Vorderseite und die Beine sind hellbraun über goldgelb bis rostbraun oder aber auch weiss gefiedert. Auf der Vorderseite kann(!) sich ein braunschwarzer Latz befinden. Von den Augen führt ein schwarzer Streifen von Federn zum Schnabel. Diese schwarzen Federn oder Borsten bilden den „Bart“ und gehen links und rechts am Schnabel vorbei. Die Flügel sind lang und spitz. Der Schwanz ist lang. Die Augen sind weissgelb bis gelbbraun mit schwarzer Pupille. Um die Augen befindet sich ein roter Ring. Weibchen und Männchen sind gleich gefiedert. Die Flügelspannweite beträgt 230 - 290 cm. Der Bartgeier ist zwischen 94 - 125 cm gross. Das Gewicht beträgt 5 - 7 kg. Bartgeier erreichen Flug-Geschwindigkeiten von 130 km/h. Die helle bis weissliche Unterseite wird durch (instinktives Baden wollen; ein natürlicher Instinkt) eisenoxidhaltiges Wasser oder Staub rötlich oder rostrot (, was allerdings bei den Zootieren fehlt). Das Eisenoxid ist so fein, dass es an den Federn haftet und bald zum Bestandteil der Federn wird (und nicht mehr entfernt werden kann).

Zur Nahrung zählt Aas und davon zu 85 % Knochen. Der Bartgeier jagt mitunter kranke und schwache Tiere, wie zum Beispiel Klippspringer, Klippschliefer, Hasen und kleine Paviane. Es ist auch beobachtet worden, dass sich Bartgeier auf Ziegen, Schafe, Gemsen, Steinböcke, Hunde gestützt haben, um sie mit den Flügeln in einen Abgrund zu stossen. Die Bartgeier können ihre Beutetiere mit einer Länge von bis zu 60 cm forttragen. Landschildkröten hebt der Bartgeier in die Luft, um sie aus der Luft auf einen Felsen fallen zulassen, um an das Fleisch zu kommen. Anlog oder vielmehr trifft dieses für die Knochen zu. Diese lässt er aus 25 bis 150 m Höhe auf ausgesuchte Steine oder Flächen fallen, um sie zerschellen oder zerbrechen zu lassen, um so die Knochenstücke, seine Hauptnahrung, besser fressen zu können. Gerne frisst er das Knochenmark, an das er durch seine Zunge bei den zerbrochenen Knochen gelangt. Andererseits, so Beobachtungen, dauert das Zerbrechen lassen der Knochen mitunter 30 Minuten, da mancher Knochen erst nach dem 20. oder 50. Fallen lassen kaputt geht. Aufgrund des bis zu 7 cm dehnbaren Schlunds können bis zu 25 cm lange Rippenstücke verschluckt werden. Die Verdauung des Knochen im Magen beginnt, auch wenn dieser aufgrund der Grösse noch im Hals steckt oder gar aus dem Schnabel schaut. Vorzugsweise frisst der Bartgeier fettreiche Knochen von einer Grösse von 28 cm x 4 cm aufgrund des Nährungswertes. Verschlungen werden auch Knochen bis zu 30 cm Länge

Während der Balz gibt der Bartgeier Pfeiftöne aus und führt Verfolgungsflüge durch. Bei den Verfolgungsflügen dreht sich mitunter der untere Bartgeier mit den Füssen nach oben, so dass sich dann beide Bartgeier mit den Fängen fassen und bis kurz über den Boden nach unten kreisen. Die Kopula wird mit lauten Pfeiftönen und Trillern begreitet. Das Nest -im Revier befinden sich meist drei verschiedene Nistmöglichkeiten- befindet sich in eine Höhle oder in der Felswand in 300 bis 5000 m Höhe. Das Nest ist ausgepolstert mit Zweigen, Wolle, Fellstücken, auch auch Lumpen und Lappen. Dorthin werden die 1 - 3 hellbraun bis cremefarbenen bis stark rotbraunen bis rostbraunen und mit rot bis lilafarben (zum Teil braun) gefleckten Eier im Abstand von 3 bis 5 Tagen gelegt. Die Färbung der Ei-Schale hängt vom vorhandenen Eisenoxid ab. Die Eier werden im Zeitraum Dezember bis Januar (Südeuropa, Kaukasus und Nordafrika), im Februar bis März in den Alpen von den Weibchen gelegt. Im Gebiet Himalaja und Kaschmir gilt der gesamte Zeitraum von Dezember bis März. Andererseits brüten die Bartgeier in Äthiopien von Oktober bis November, in Kenia im Januar und im Mai und in Südafrika im Juni. Beide Elternteile brüten die Eier in 53 - 60 aus. Die jungen völlig (noch) dunkelbraun gefiederten Bartgeier werden in den nächsten 100 - 120 Tagen aufgezogen und am Ende überlebt meist nur ein Junges. Beide Eltern füttern den Jungvogel. Mit 3-4 Wochen verschlingen die Jungvögel erste Knochen. Nachdem die Jungvögel flügge geworden sind, werden diese noch 2 Monate betreut. Bis zum 5. und 6. Jahr sind die Jungvögel dunkelgraubraun gefiedert und erst ab diesem Alter erwachsen. Die Paare bleiben lebenslang zusammen.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Tiergarten Nürnberg aufgenommen.

Diese Fotos wurden im Tiergarten Schönbrunn (Wien) aufgenommen.

Diese Fotos wurden im Alpenzoo Innsbruck (in der Mitte befindet sich eine Stellen mit eisenoxidhaltigem Staub / Sand) aufgenommen.

Diese Fotos wurden im Tiergarten Berlin Friedrichsfelde aufgenommen.

Die Fotos (linke Spalte) wurden in der Deutschen Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg (heute: Deutsche Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg), (mittlere Spalte) im Vogelpark Walsrode (heute: Weltvogelpark) und (rechteSpalte) im Zoo Berlin Tiergarten aufgenommen.

16. Schmutzgeier
lat. Neophron percnopterus

Der Schmutzgeier, der kleinste europäische Geier, lebt im offenen Gelände (mit verstreutem Bewuchs), Grasland, an Klippen, in den trockenen Regionen, tropischen Savannen, bergigen Landschaften, in Höhen bis zu 4000 m, Wüsten, Wüstenrandzonen in der Unterart Neophron percnopterus percnopterus (in Südeuropa, Afrika, Südwestasien bis Balkhash und auf den atlantischen Inseln verbreitet), in Südindien und im Himalaja in der Unterart Gelbschnabel-Schmutzgeier, lat. Neophron percnopterus ginginianus und auf den Kanarischen Inseln in der Unterart Neophron percnopterus majorensis. Es leben noch ca. 5.000 - 12.000 Paare weltweit, wobei es in Europa 1534-1649 Paare (im Jahre 2004 gezählt) sind. Die Tendenz ist rückläufig. Selbst in den französischen Alpen waren die Schmutzgeier bis zum Jahr 1890 verbreitet. Der geschätzte Bestand, der auf dem Balkan lebenden Schmutzgeier, sank von ursprünglich mehreren tausend Brutpaaren (Falke09/2011) im Laufe der Zeit nun auf unter 100 Brutpaare. Die üblichen Ursachen sind Vergiftungen und Abschuss. In einer Blutanalyse bei 32 Jungvögeln stellte man einen schlechten Gesundheitszustand (Schwermetallvergiftungen, Antibiotikavergiftungen und hohe Krankeitsanfälligkeit) fest.

Viele Schmutzgeier fliegen von September bis Oktober ins Winterquartier und kommen im März bis April zurück. Das Winterquartier ist in Afrika (südlich der Sahara; auch in den Wüsten und Halbwüsten), auf der arabischen Halbinsel, in Indien und im Mittelmeerraum oder Spanien. Im äthiopischen Afra-Dreieck überwintern jährlich jeweils ca. 1400 Schmutzgeier. In diesem Zusammenhang wurde auch beobachtet, dass einige Jungvögel erst im Erwachsenenalter von 5 Jahren zurückkehren. Die Strecke ins Überwinterungsgebiet fliegen die Schmutzgeier in kleinen Gruppen. Die in Südiran, Indien, Pakistan, Zentralafrika und der arabischen Halbinsel lebenden Schmutzgeier sind Standvögel. Die Nacht wird zum Teil (so Beobachtungen) in kleinen Gruppen von 20 bis 50 Vögeln verbracht. Die nicht besonders geselligen Schmutzgeier, die in der Regel allein oder mit Partner anzutreffen sind, sind nur bei ausreichender Beute in kleinen Gruppen von 10 bis 20 Vögeln anzutreffen. Bezüglich der Schmutzgeier wurde beobachtet, dass diese sich in Schlafgemeinschaften von 20 bis 50 (bis zu 200 bei Port Sudan) Einzelvögeln zusammengesellen.

Das gesamte Gefieder ist (schmutzig)weiss. Die Schwungfedern sind schwarz gestreift. Die Flügelenden sind schwarz. Die Flügelspannweite beträgt 150 - 170 cm. Der Schwanz ist keilförmig. Das “Gesicht” ist gelb. Der Schnabel ist gelb. Mit seinen Augen erkennt der Schmutzgeier 4 - 8 cm kleine Gegenstände aus einem km Entfernung. Die Fänge sind kräftig. Das Weibchen ist grösser als das Männchen. Das Gewicht beträgt ca. 1,8 - 2,4 kg. Die Grösse beträgt 53 - 66 cm. Die Unterart Neophron percnopterus percnopterus hat eine braune bis schwarze Schnabelspitze und fleischfarbene oder blassgelb bis blasslilane Fänge, während die Unterart Neophron percnopterus ginginianus eine helle bis gelbe Schnabelspitze hat, gelbe Fänge hat und kleiner ist.

Zur Nahrung zählen Eier bis zur Grösse von Strausseneiern. Die Eier “öffnet” der Schmutzgeier unter Verwendung von Steinen. Entweder wird das Ei in den Schnabel genommen und mehrfach auf einen Stein fallen gelassen bis es zerbricht oder bei grossen Eiern (Stausseneiern) wird ein 200 g bis 300 g (laut einer Beobachtung: ca. 900 g) schwerer Stein in den Schnabel genommen und aus grosser Höhe auf das (Straussen)ei fallen gelassen.

Zur Nahrung, es werden zum Teil viele km geflogen, zählen des weiteren auch kleine Vögel (junge Flamingos), Säugetiere (wie Mäuse, Kaninchen, Ratten), Schlangen, Fische, Frösche, Insekten, Insektenlarven, Echsen (Eidechsen), Käfer, Termiten, Früchte (wie beispielsweise Datteln), Gemüse, Schnecken, Abfälle, Aas und Kot. Aufgrund seines spitzen Schnabels kommt er sogar an die Aasreste, an die die grossen Ohren-, Sperber- und Weissrückengeier nicht herangelangten. Auch auf Müllplätzen ist der Schutzgeier anzutreffen.

Das zum Teil mehrfach benutzte Nest wird von beiden Elternvögeln gebaut und mit Nistmaterial ausgepolstert. Es wurde auch beobachtet, dass die Schmutzgeier zur Aufzucht verlassene Nester (von Greifvögeln) verwenden oder in Gebäuden brüteten. Das Nest befindet sich in auf felsigem Gelände, in den Höhlen oder in den Nischen der Felsen. Das Nest kann sich auch an (unzugänglichen) Feldwenden befinden. Die Schmutzgeier brüten in der Regel in grossen Gruppen oder Kolonien oder aber auch einzeln. Das Weibchen legt die Eier im November in Nigeria, im Dezember in Südafrika, von Dezember bis März auf den Kapverden, von (z.T. Februar) März bis April in Europa bis Nordafrika, von Januar bis April in Indien, von Januar bis Mai in Somalia, Oberägypten und Sudan, von Mai bis Juli in Kenia und vor und während der Trockenzeit im tropischen Afrika im Abstand von 2 bis 4 Tagen. Die 1 - 3 gelblichweissen Eier sind rostbraun, rotbraun, rötlich, mehr oder weniger rotbraun, violett gefleckt. Ausgebrütet sind die Eier von beiden Elternteilen in 42 bis 45 Tagen. Die Jungvögel werden von beiden Elternteilen zuerst in den ersten Tagen mit Vorverdauter Nahrung gefüttert. Das weisse Duhnenkleid wechselt im Alter von 3 Monaten in ein braunes Gefieder. Flügge sind in die jungen Schmutzgeier in 70 - 95 Tagen. Meist jedoch überlebt nur ein Jungvogel. Geschlechtsreif werden die Schmutzgeier im 4 bis 5. Lebensjahr. Die braunen Jungvögel erhalten im 5. Jahr ihr weisses Gefieder. Ein Höchstalter von 20 Jahren konnte festgestellt werden. Weibchen und Männchen leben in einer Dauerehe.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Tiergarten Nürnberg und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Tiergarten Schönbrunn (Wien) gemacht.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Darmstadt und die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Berlin (Tiergarten) aufgenommen.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden in der Deutschen Greifenwarte Claus Fentzloff, Burg Guttenberg (heute: Deutsche Greifenwarte Bernolph Frhr. von Gemmingen, Burg Guttenberg) und unterhalb dieser Zeilen in der Falknerei Schillingsfürst (Links), im Zoo Schmiding / Wels (Mitte) und im Wildpark / Falknerei Potzberg (Rechts) gemacht.

Die Fotos oberhalb dieser Zeilen wurden im Alpenzoo Innsbruck gemacht. Die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss Tambach gemacht.

17. Kappengeier
lat. Necrosyrtes monachus

Der Kappengeier lebt als Standvogel in den Wüsten, Savannen, in den Waldrändern, in den Regenwäldern, in Höhen bis zu 4000m und in Siedlungen (Küstenstädte und Walddörfer) in Afrika südlich der Sahara (bis Mali und bis Eritrea).

Das Gefieder ist braun bis schwarzbraun. Die Unterart Necrosyrtes monachus monachus hat einen gräulichbraunen Hinterkopf und Nacken. Der Kopf und der Hals sind nackt und bläulichrot bis rötlich. Die Iris ist braun. Die Flügel sind an den Handschwingen schwarzbraun gefiedert. Unterseite ist lichtdunkelbraun. Die Beine sind lichtbleigrau. Die andere Unterart Necrosyrtes monachus pileatus ist dunkler gefiedert und hat einen bläulicheren nackten Kopf und Hals. Das Buch von Ferguson-Lees, Christi “Die Greifvögel der Welt” gibt nur Necrosyrtes monachus (statt den beiden Unterarten) an. Die Fläche um die Augen ist federlos und rosafarben. Die Flügelspannweite beträgt 170 - 182 cm. Das Gewicht beträgt 1,5 bis 2,6 kg. Die Grösse beträgt 61 bis 70 cm.

Zur Nahrung zählen die Aas-Reste, die die grossen Geier übrig gelassen haben. Der Kappengeier frisst kleine tote Tiere, die er an allen Stellen einsammelt und ist auch an den Müllplätzen und Schlachthöfen anzutreffen. Der Kappengeier erbeutet Heuschrecken, Eidechsen, Ratten, Frösche, Würmer, Schnecken, Termiten und Insekten.

Die Kappengeier sind Koloniebrüter. Das mit Haaren und Blättern ausgepolsterte Nest befindet sich in 1 bis 40 m hohen Affenbrotbäumen, Hegligbäumen, Borassuspalmen, Flötenakazien oder anderen Bäumen oder an den Klippen. Das Weibchen legt von April bis Juni im südlichen Afrika, von April bis Oktober (aber auch schon im Januar) in Kenia und Uganda, von August bis September in Malawi, von Dezember bis März in Westafrika und von November bis April in Somalia, Sudan und Eritrea ihr Ei. Das Ei wird vom Weibchen grösstenteils allein in ca. 46 Tagen oder 6,5 Wochen ausgebrütet. Das Männchen beschafft in dieser Zeit die Beute. Der Jungvogel klettert nach 3,5 Monaten bereits in der Umgebung umher. Fliegen jedoch kann er erst später (einige Wochen vergehen noch). Kappengeier leben in einer Dauerehe.

Die Fotos links wurden im Tierpark Berlin Friedrichsfelde (erste drei), dann im Vogelpark Timmendorfer Strand (folgendes Bild) und in der Adlerwarte Niederwald (folgendes Bild) gemacht. Die mittleren Fotos wurden im Zoo Berlin / Tiergarten (erste vier) und in der Adlerwarte Berlebek (folgendes Bild) gemacht. Die rechten Fotos wurden in der Falknerei Burg Obernberg (erste zwei) und in der Bayerischen Jagdfalknerei Schloss Tambach (folgende drei) gemacht.

18. Geierseeadler oder Palmgeier oder Palmnussgeier oder Geierfischadler oder Angolageier
lat. Gypohierax angolensis

Der Palmgeier, der kleinste Geier, lebt als ungeselliger Standvogel in den Wäldern, Agrarlandschaften, Mongrovensümpfen, feuchten Savannen, an den Seen und Flüssen in der Nähe der Öl- und Raphia-Palmen im tropischen Afrika in Höhen bis zu 2000m südlich der Sahara bis zur Kap-Spitze und im Norden bis Gambia und Ostkenia.

Der Kopf, der Hals, die Unterseite, die Unterschenkel, der Oberrücken und die Schultern sind weiss gefiedert. Der grosse Teil der Flügel und der Oberschwanz sind schwarz gefiedert. Der Schwanz hat jedoch auch dann wieder eine breite weisse Endbinde. Die Iris ist gelb bis hellorange und die Augen sind rosa umrandet. Die Grösse beträgt ca. 56 – 65 cm und das Gewicht beträgt 1,3 – 1,8 kg.

Zur Nahrung zählen hauptsächlich die Nüsse der Öl- und Raphia-Palmen, Datteln und andere Früchte. Bezüglich seiner Nahrung zieht der Palmgeier (auch) in der Umgebung umher. So werden auch Insekten, Krabben, Muscheln, Schnecken, Fische, Frösche, Vögel, Säugetiere und Aas gefressen.

Die Palmgeier führen zur Balz hohe Flüge mit Sturzflügen und Loopings durch. Die Brutzeit ist je Region verschieden. Gelegt werden die Eier zum Beispiel von Dezember bis Februar in Westafrika, im Mai bis Juli in Angola, im Juli in Uganda, von April bis Mai oder von Juli bis November auf Pemba, im Juli bis August in Nordsambia und Nordmalawi, im Oktober in Südafrika und im September im Osten des Tanganjikasee. Das Weibchen legt die ein bis zwei weissen Eier, die viele dunkelbraune bis lila-Flecken besitzen, in einen hohen Baum (Palme) oder in eine Baumhöhle und brütet es dort in 43 bis 45 Tagen aus. Das gebaute Nest besteht aus Teilen der Öl- und Raphia-Palmen und befindet sich in 10 bis 70 m Höhe. Das Nest, welches jedes Jahr benutzt wird, kann sich aber auch auf Woll- und Affenbrotbäumen befinden. Flügge sind die jungen Palmgeier in ca. 90 Tagen. Die jungen Palmgeier werden von den Elternvögeln mit dem Fruchtfleisch der Palmnüsse gefüttert. Die Jungvögel bleiben im selben Gebiet. Das Gefieder der jungen Palmgeier ist bis zum 4-5 Jahr dunkelbraun. Die Iris der Jungvögel ist noch braun.

Die oberen Fotos (linke und mittlere Spalte) wurden im Zoo Berlin (Tiergarten) und die rechten Fotos in der Adlerwarte Berlebeck gemacht. Die Fotos unterhalb dieser Zeilen wurden im Zoo Schmiding / Wels gemacht.

Diese Fotos wurden im Wildpark / Falknerei Potzberg aufgenommen.

Dieses Foto wurde im Raritätenzoo Ebbs aufgenommen.

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