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Block 3: Ein Blick in die Artenvielfalt der Greifvögel und Eulen in Bild und Text
Familie 1: Habichtartige, lat. Accipitridae
Unterfamilie Bussardartige, lat. Buteoninae
Gattungen Harpienartige, lat.Harpia, Pithecophaga, Morphnus, Harpyhaliaetus, Harpyopsis

01. Harpyie, lat. Harpia Harpyja
02. Affenadler oder philippinischer Affenadler
oder Philippinenadler, lat. Pithecophaga Jefferyi
03. Würgadler oder Sperberadler, lat. Morphnus Guianensis
04. Streitadler oder Streitaar oder Kronenstreitadler oder Zaunadler, lat. Harpyhaliaetus Coronatus
05. Pazifischer Streitadler oder Schwarzer Streitadler oder Einsiedleradler oder Schwarzer Einsiedleradler, lat. Harpyhaliaetus Solitarius
06. Papua-Adler oder Neuguinea-Würgadler oder Harpyienadler, lat. Harpyopsis Novaeguineae

Um Wiederholungen bei den einzelnen Abschnitten meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen zu vermeiden, verweise ich auf das Literaturverzeichnis, das sich auf der Seite „Greifvögel / Eulen 1” (www.kaiseradler.de/Greifvogel___Eulen_1/greifvogel___eulen_1.html) befindet. Hiermit untersage ich (Jens Wolf, www.kaiseradler.de, genau: www.kaiseradler.de/uber_mich___Kontakt/uber_mich___kontakt.html) jede weitere Verbreitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner Fotos in welcher und / oder durch welche Art und / oder Weise auch immer. Genauso untersage ich hiermit jede weitere Verarbeitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen oder Teilen (Inhaltsverzeichnis: www.kaiseradler.de/Greifvogel___Eulen_A/greifvogel___eulen_a.html) daraus.

01. Harpyie
lat. Harpia Harpyja

Die Harpyien: Beschreibung

Der Name der Harpyie kommt aus der griechischen Mythologie und kennzeichnet ihr räuberisches Wesen. Im Zeichentrickfilm "Das letzte Einhorn" ist die Harpyie auch zu sehen. Die Harpyie wurde im Jahre 1758 vom Naturforscher Linnaeus zuerst beschrieben und ist einer der kräftigsten Greifvögel der Welt.

Die Harpyie lebt an den Rändern von Flussufern, Flusstälern und Lichtungen, in den tropischen und feuchten wasserreichen Wäldern, Urwäldern, Urwaldrändern, in den tiefen heissen Tälern der Gebirge Südmexikos von Mittelamerika bis Ostbolivien, bis Südbrasilien, bis Nordargentiniens, bis Paraguay. Die Harpyie lebt einzeln und ist nur in der Paarungszeit zu zweit zu beobachten. Nur im Zoo kann man Harpyienpaare in der Regel die ganze Zeit zusammen beobachten. Das Revier im unberührten Regenwald ist aufgrund des Nahrungsangebotes mit 100 bis 200 km² (auch aufgrund des Nachwuchses) sehr gross und wird auch nicht mit dem Hauptnahrungskonkurennten, dem Kronenadler, geteilt. Andererseits sollen für eine überlebensfähige Population 250 Paare notwendig sein und für die Harpyien bedeutet dieses eine Fläche von 37.500 km² unberührtem Regenwald, wobei allein im Jahre 1988 schon eine Fläche von 60.000 km² abgeholzt wurde. Aufgrund der Zerstörung des Lebensraums, der Regenwälder, und des rücksichtslosen Abschliessens trotz Schutzmassnahmen nimmt der Bestand zwangsläufig ab.

Die Oberseite, die Haube, die Oberflügelseite, der Hals und der "Latz" sind graublau bis dunkelschiefergrau (selten bis schwarz) gefiedert. Die Flügel sind kurz und breit. Die Schwungfedern sind lang und gross. Der Kopf ist grau bis blaugrau gefiedert. Die Iris ist hellbraun(?), braun bis blauschwarz bis schwarz. Der Schnabel ist schwarz. Die Unterseite ist ab den Latz weiss gefiedert. Die weissen Unterschenkel sind fein schwarz quergebändert. Die Füsse sind weissgelb und die grossen Krallen sind blauschwarz bis schwarz. Die Harpyie ist 86 - 110 cm gross. Das Männchen wiegt 4,0 - 4,6 kg und das Weibchen wiegt 6,0 - 9,0 kg.

Zur Nahrung zählen Säugetiere (wie Affen, Brüllaffen, Kapuziner, Sakis, Nasenbären, Baum-Stachelschweine, Ameisenbären, Opossums, Faultiere, Hausschweinferkel), grosse Vögel (wie Aras, Hyazintaras, Tukane, Hokkos, Seriemas), Agutis(?), Reptilien und Schlangen. Ein Grossteil davon wird aus dem Hinterhalt auf Bäumen erbeutet. So jagt sie ihre Beute auch zwischen den Zweigen in den Baumkronen, wobei sie geschickt manövriert, dass heisst dass sie zum Beispiel nachdem sie das Opfer entdeckt hat, in die Höhe schiesst und anschliessend über dem Opfer kreist bis sie auf dieses hinabstürzt. Es ist sogar beobachtet worden, dass eine Harpyie einen ca. 7 kg schweren Roten Brüllaffen erbeutete und forttrug. Gerät sie in menschliche Nähe frisst sie (fängt sie) auch kleine Schweine, Hühner und Hunde. Die Harpyie kann ihre Beute fast senkrecht in die Höhe heben.

Das Nest, es wird mehrere Jahre hintereinander benutzt, befindet sich in grosser Höhe von 45 bis 75 m im höchsten Baum der Umgebung (in der Regel auf einem Kapokbaum). Das Nest selbst hat eine Höhe von ca. von 1,20 m, einen Durchmesser von ca. 1,50 m und ist mit grünen Zweigen, Ästen, Moos und Laub ausgepolstert. Das Weibchen legt alle zwei Jahre ein bis zwei reinweiss bis gelblichweiss mit weissbraunen Flecken versehene Eier in Brasilien möglicherweise im April und in Guayana ist der Brutbeginn Dezember bis Januar. (Laut einer Beobachtung soll die Verfärbung des Eies oder der Eier erst später erfolgt sein). Die Eier werden in ca. 55 Tagen ausgebrütet. Die Jungvögel, die zum Teil sehr lange betreut werden, werden in 3 bis 5(?) Monaten flügge. Zum Teil kommt es vor, dass die Jungvögel tagelang keine Nahrung bekommen. Das Männchen beschafft die Beute und übergibt sie dem Weibchen, wobei beobachtet wurde, dass das Weibchen das Männchen nach der Ablieferung der Beute aus dem Nestumkreis von ca. 90 m vertrieb. Der oder die Jungvögel werden, so andere Beobachtungen, sogar bis über 9 Monate gefüttert, was den Jungvögeln dazu verhilft, das Fliegen besser zu erlernen oder die Jagd zu perfektionieren. Die jungen Harpyien werden mit 6 bis 8 Jahren geschlechtsreif.

Im Tiergarten Nürnberg wurden seit dem Jahre 1986 zehn junge Harpyien geboren und aufgezogen. Den Welt-Erst-Zuchterfolg meldete der Tierpark Berlin (Friedrichsfelde) im Jahre 1981.

Aus dem Leben der Harpyien (Eine Beobachtungsstudie in Bildern aus dem Nürnberger Tiergarten)
Die Harpyie, wie sie beobachtet (, die meiste Zeit).

Die Harpyie, wie sie fliegt.

Die Harpyie; gelandet

Die Harpyie, wie sie frisst.

Die Harpyie, wie sie “mantelt” und danach frisst.

Die Harpyie, wie sie trinkt.

Die Harpyie, wie sie den Schnabel putzt. Auf der einen Schnabelseite reibt sie am Ast und auf der anderen Schnabelseite hängt die Zunge aus dem Schnabel. Die Zunge hängt nicht bei allen Harpyien dabei heraus.

Die Harpyie, wie sie das Gefieder putzt.

Die Harpyie, wie sie sich kratzt.

Die Harpyie, das Gefieder aufschüttelnd

Die Harpyie, wie sie läuft.

Die Harpyie, wie sie badet.

Die Harpyie, wie sie weiteres Nistmaterial aufsammelt.

Die Harpyien, auf dem Nest.

Die Harpyie, wie sie im Nest sitzt.

Die Harpyie, wie sie sich streckt.

Die Harpyie, wie sie den Fuss streckt.

Die Harpyie, wie sie sich auf dem Ast dreht.

Die Harpyie, wie sie wieder beobachtet.

Die Harpyie, wie sie den Kopf nach hinten dreht.

Die Harpyie: Verteidigungs- oder Drohgebärde (Drohstellungen)

Die Harpyie, wie sie die Füsse versteckt und wärmt, in dem sie die langen Federn auf der Unterseite “hochklappt” und anschliessend langsam die Federn, wie ein Schutzschild “herunterklappt” und so über die Beine legt.

Die Harpyien, aus dem Leben eines Paares

Die Harpyien, aus dem Leben eines Paares (Auf den linken Fotos gähnt der linke Vogel)

Die Harpyie, die Nickhaut.

Die Harpyie, die Federn.

Die Harpyie, wie sie den Kot herausspritzt. (Rechts sieht man den After.)

Die Harpyie, der Kot.

Aus dem Leben der Harpyien (in Bildern aus dem Vogelpark Walsrode).

Aus dem Leben der Harpyien (in Bildern aus dem Zoo Wuppertal).

Aus dem Leben der Harpyien (in Bildern aus dem Tierpark Berlin (Friedrichsfelde)).

02. Affenadler oder philippinischer Affenadler oder Philippinenadler
lat. Pithecophaga Jefferyi

Der Affenadler, einer der seltensten Adler der Welt, lebt als Standvogel, in Wassernähe, in den Wäldern, in Baumkronen in Höhen bis zu 2.000 m in Mindanao, Samar, Leyte und Luzon. Die Ursachen für den Bestandrückgang liegen beim Abholzen des Regenwaldes (60% des Regenwaldes wurde bereits vernichtet!), dem Bejagen / Abschiessen und der Zunahme der Bevölkerung. Viele wurden daher zur Arterhaltung für Zoos eingefangen. Dieses geschah solange bis man feststellte, dass sich diese Adlerart nicht in Gefangenschaft vermehrt. So entschied man sich „nur noch“ für strengsten Schutz im Verbreitungsgebiet und für ein Verbot von Ankäufen für Zoos. Der Bestand der Affenadler soll sich von seinem Tiefstand von 40 Vögeln -auch aufgrund von Zuchterfolgen im Verbreitungsgebiet- wieder zu mehreren hundert Paaren vergrössert haben. Das Revier kann bis zu 30 km² betragen.

Der Nackenschopf, der bei erregtem Zustand aufgestellt werden kann, besteht aus gelbbraunen bis dunkelbraunen 9 cm langen Federn. Die Oberseite ist braun bis dunkelbraun gefiedert. Jede einzeln, der braunen bis dunkelbraunen Rückenfedern ist weissgelb umrandet. Die Flügel sind kurz und breit. Die Unterseite ist weissgelb gefiedert. Die Beine sind gelbbraun gefiedert und haben kurze rötlichbraune Längsstreifen. Der lange braune bis dunkelbraune lange rechteckige Schwanz hat 3 hellbraune Querstreifen und eine hellbraune Spitze. Die Füsse sind gelb. Die Augen sind hellblau, hellgelbbraun bis blaugrau. Das Gewicht beträgt 4 - 4,6 kg (bis zu 8 kg). Die Grösse beträgt 85 - 102 cm. Der Schnabel ist hoch, dünn und bleifarben.

Zur Nahrung zählen Affen (wie beispielsweise Makaken, Javaneraffen), weitere Säugetiere (wie beispielsweise kleine Hirsche, Eichhörnchen, Flatterhörnchen, Fledermäuse, Fluglemuren, Grossgleitflieger, Hunde, Schweine), grosse Vögel (wie beispielsweise Nasshornvögel), Schlangen und Warane.

Das Weibchen legt ihre 1 - 2 Eier in das grosse Nest, das mehrere Jahre benutzt wird. Das Nest, eine grosse aus Zweigen bestehende Plattform, befindet sich in bis zu ca. 45 m Höhe im höchsten Baum der Umgebung. Allerdings brüten die Affenadler nur jedes zweite Jahr. In 55 bis 60 Tagen hat das Weibchen die Eier ausgebrütet. Mit 9 Wochen haben die Jungvögel alle Federn. Flügge sind die jungen Affenadler mit 13 bis 15 Wochen. Es können bis zum flügge werden auch 5,5 Monate vergehen. Das Männchen beschafft die Nahrung für das Weibchen und die Jungvögel. Für die Jungvögel werden bei der Beute die inneren Organe und der Kopf entfernt. Die Nahrung des Jungvogels besteht aus Gleitfliegern (ca. 90%) und verschiedenen Affenarten (ca. 10%). Normalerweise wird nur ein Jungvogel flügge und nachdem der Jungvogel flügge geworden ist, wird er noch ein Jahr von den Elternvögeln betreut. Die erwachsenen Jungvögel werden dann von den Elternvögeln vom eigenen Revier weggedrängt oder mit anderen Worten zum verlassen des elterlichen Reviers gezwungen. Geschlechtsreif werden die Affenadler erst mit 6 bis 7 Jahren. Unterhalb des Nestes sind Knochen zu finden.

Diese Fotos wurden im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart gemacht.

03. Würgadler oder Sperberadler
lat. Morphnus Guianensis

Der Würgadler lebt an den Flussufern, in den Küstenwäldern, in den tropischen Wäldern Honduras bis Argentiniens von Mittelamerika bis Nordargentinien.

Es gibt 2 verschiedene Farbvariationen, eine helle und eine dunkle / graue Farbvariation. Die helle Variante hat einen hellgrauen Kopf, Hals und eine hellgraue Brust. Die Oberseite der hellen Variante ist dunkelbraun, die Flügelunterseiten weisslich und der Bauch ist weiss gefiedert. Die dunkle / graue Farbvariante ist am Kopf, Hals und auf der Brust dunkelgrau gefiedert. Die dunkle / graue Farbvariante hat schwarz-weisse gebänderte Flügelunterseiten und einen schwarz-weiss gebänderten Bauch.

Die Flügel sind breit und rund. Der Schwanz ist lang. Die Iris ist gelb. Die Grösse beträgt zwischen 79 und 91 cm. Die Haube ist ca. 15 cm gross. Auffallend ist sein lautes Geschrei.

Zu Nahrung zählen Affen, auf dem Baum lebende Nager, Beutler, Baumschlangen, Bodenschlangen, Vögel und auch Eidechsen.

Das Nest befindet sich auf einem hohen Baum.

04. Streitadler oder Streitaar oder Kronenstreitadler oder Zaunadler
lat. Harpyhaliaetus Coronatus

Der Streitadler lebt in den offenen Savannen und offene Wäldern von Ostbolivien über Brasilien, Paraguay und Argentinien bis Nordpatagonien in Südamerika.

Das Gefieder ist insgesamt graubraun bis dunkelbraun. Die Oberschenkel können bis zu schwarz gefiedert sein. Der Schwanz hat eine weisse Endbinde. Der Streitadler hat einen langen Schopf und ist zwischen 63 bis 90 cm gross. Die Iris ist rötlichbraun.

Die Jungvögel jedoch sind noch auf der Oberseite graubraun bis braun gefiedert und auf der Unterseite weiss bis hellbraun -und dunkel gebändert- gefiedert.

Zur Nahrung zählen kleine und mittlere Säugetiere, Vögel, Fische und Schlangen.

05. Pazifischer Streitadler oder Schwarzer Streitadler oder Einsiedleradler
lat. Harpyhaliaetus Solitarius

Der Pazifische Streitadler lebt an den Berghängen, im Nebelwald, in Höhen bis 2.500 m in 2 Unterarten.

Der Pazifische Streitadler hat eine Grösse von ca. 61 - 74 cm. Die Augen sind gelb. Das Gefieder der Unterart Harpyhaliaetus Solitarius Solitarius, die in Mexiko, Panama bis Peru verbreitet ist, ist dunkelbraun bis schiefergrau oder schwarzschieferfarben. Die Haube ist schwarzbraun. Der Schwanz enthält eine weisse Binde und eine weise Spitze. Die zweite Unterart Harpyhaliaetus Solitarius Sheffleri, die in Kolumbien, Argentinien und Guyana verbreitet ist, ist dunkelgrauer am Kopf, auf der Brust und auf dem Rücken.

Zur Nahrung zählen mittlere Säugetiere, wie beispielsweise Rehkitze und Hirschkälber.

06. Papua-Adler oder Neuguinea-Würgadler oder Harpyienadler
lat. Harpyopsis Novaeguineae

Der Neuguinea-Würgadler ist in den Lichtungen, Regenwäldern, in Höhen bis 3200 m in Neuguinea, Papua-Neuguinea und Indonesien verbreitet. Am meisten wird die Art durch die Zerstörung seines Lebensraums bedroht. Aber auch die Jagd nach den Schwanzfedern trägt ihren Teil zur Ausrottung des Neuguinea-Würgadlers bei.

Die Unterseite ist weiss gefiedert. Die Seiten sind zum Teil braun gefleckt. Der Vorderhals ist bis zur Brust hellbraun bis grau gefiedert. Die Oberseite ist braun bis dunkelbraun / bräunlichgrau gefiedert. Der lange braun bis braungraue Schwanz ist mit dunkelbraunen bis schwarzen Streifen versehen und hat eine weisse Spitze. Der Neuguinea-Würgadler besitzt eine aufstellbare Haube.

Das Weibchen ist grösser als das Männchen. Die Flügel sind kurz. Die sehr langen Beine sind schlank. Die Augen sind hellbraun bis orange. Die Grösse beträgt 75 bis 90 cm. Das Gewicht liegt zwischen 1,6 und 2,4 kg. Der Neuguinea-Würgadler besitzt eine Gesichtskrause, die ihm bei der Ortung seiner Beute im dichten Wald hilft.

Zur Nahrung zählen kleine Säugetiere, Vögel und Reptilien.

Nur die Jungvögel sind rotbrauner am Vorderhals bis zur Brust und an den Seiten an der Unterseite gefiedert.